Mein Fachtagsrückblick – „Das Smartphone, mein Kind und ich“

Fachtag im Frankfurter Museum für Kommunikation

Fachtag im Frankfurter Museum für Kommunikation

Eine gute Woche ist der Fachtag „Zu früh?! Zu spät?! – Mit Medien Bildung lernen“ nun passé und die Themen beschäftigen mich weiterhin. Zur Dokumentation für alle Interessierten teile ich hier gerne meine Eindrücke und Materialien.

Vorträge & Stände

Die erste Tageshälfte wurde durch den Vortrag von Prof. Dr. Silla und den Impulsen einiger Einrichtungen bereichert.
Meine Eindrücke habe ich ungefragt auf meinem Twitterkanal und dem Hashtag #famep14 mit der Welt geteilt 😉
Die vielfältigen Stände waren voll mit Infos und netten Menschen. Besonders gut gefallen hat mir das Stop-Motion-Projekt vom Gallus Zentrum. So gut, dass ich auch vor die Kamera getreten bin und das erste Mal Statist in einem Stop-Motion-Flim wurde, Danke ans Team für die geduldige Einweisung 🙂
Der Film feiert noch auf dem Fachtag sein Welturaufführung, seht selbst:

Barcamp-Session: „Das Smartphone, meine Kind und ich“

Nach der Netzwerk-Mittagspause ging es in das Barcamp. Es kamen wieder viele interessante Sessions zu Stande.
Zum Tagesthema passend habe ich kurzentschlossen einen Impuls zum Thema Smartphone-Einstieg für Kinder und Jugendliche vorbereitet und drei Leitfragen identifiziert:

A) Ab welchem Alter Smartphones in Kinderhand?
B) Alter?, bzw: Welche Kompetenzen braucht man zum Einstieg?
C) Wie können wir Familien zu Nutzungsvereinbarungen anregen?

A) Ab welchem Alter Smartphones in Kinderhand?
Gleich die erste Frage führt zu unsicheren und kontroversen Rückmeldungen. Dies ist bei der Aktualität des Themas Smartphoneausbreitung und bei der großen Spannbreite der Expertenempfehlungen auch erwartbar.

Günter Steppich, gleichermaßen kompetenter und engagierter Lehrer aus Wiesbaden (und ehemaliger hessischer Jugendmedienschützer) hat auf seiner Seite zum Thema Stellung bezogen, hier Auszüge:
– „Ab Klasse 5 kann ein Handy zur Familienorganisation hilfreich sein. Auch hier gibt es aber keinen vernünftigen Grund für ein Smartphone, aber viele dagegen“
– „Ab Klasse 8 kann man über ein Smartphone nachdenken, dann aber nur mit einer Prepaid Card ohne Internetkontingent.“
– „Bei unter 16jährigen werden Handys und auch mobile Spielekonsolen vor dem Schlafengehen bei den Eltern abgegeben und morgens wieder ausgeteilt.“
– „Mit 16 Jahren sollten die meisten Jugendlichen dann alt genug sein, um mit mobilem Internet überlegt und verantwortungsbewusst umgehen zu können.“

Die Initiative „Schau hin“, welche vom Bundesministerium für Familie und auch vom Mobilfunkunternehmen Vodafone getragen wird, hat auch Empfehlungen kommuniziert:
– „Ein eigenes Handy empfiehlt SCHAU HIN! ab neun Jahren.“
– „Ein Smartphone eignet sich erst für Kinder im Alter zwischen elf und zwölf Jahren, da sie in diesem Alter in der Regel die Reife besitzen, mit den vielen Funktionen verantwortlich umzugehen.“

Diese Diskrepanz ist schon spannend. Richtig interessant wird es, wenn wir als Kontrastmittel die „Realität“ dazugeben.
Die JIM-Studie 2013 des medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest fasst die Entwicklung Smartphone Besitzes von 2011 bis 2013 zusammen, hier finden Sie die aufschlussreiche Grafik aus der Studie .
Zu einem wird die enorme Ausbreitungsgeschwindigkeit greifbar und zusätzlich zeigt sich: Smartphones scheinen auch für Jüngere bereits Realität.

Sehr spannend war, dass in der Sitzung auch nur ein Teilnehmer eine konkrete Zahl nannte und mit 10 Jahren den Smartphonebesitz in Erwägung zieht.

B) Alter?, bzw: Welche Kompetenzen braucht man zum Einstieg?
Die Frage nach dem Alter ist natürlich noch ein Kriterium. Viele Teilnehmer sahen sofort Sinn darin, auch an die erforderlichen technischen und sozialen Kompetenzen zu denken.
Klicksafe bietet auf dieser Themenseite die Checkliste „Ist mein Kind reif für ein Smartphone an“.
Mein persönlicher Eindruck, den viele Teilgeber teilten: Guter Ansatz, allerdings doch zu sehr fokussiert auf technische Handlungen.

Schnell kamen wir daher auf die Amerikanerin Janell Burley Hoffmann, die für ihren Sohn Gregory (sehr sympathisch 😉 ) ein Smartphone mitsamt einer Nutzungsvereinbarung parat hatte.
Das Original und eine deutsche Übersetzung bietet der WDR hier.

Solch eine exemplarische Vereinbarung traf auf große Zustimmungen bei den Teilgebern der Session. Insbesondere das Gegenseitige kam gut an, welches Hoffmann z.B. in Punkt 18 sehr gut transporiert:
„18. Du wirst irgendeine dieser Regeln verletzen. Ich werde dir das Telefon dann abnehmen. Wir werden uns dann zusammensetzen und von neuem anfangen. Du und ich, wir lernen. Ich bin in deinem Team. Wir halten zusammen.“

C) Wie können wir Familien zu Nutzungsvereinbarungen anregen?
Wir halten zusammen! Wie können wir uns selbst und den Familien, mit denen wir arbeiten, einem kontinuierlichen Dialog zum Überthema Medienerziehung ermöglichen?
Solche Nutzungsvereinbarungen können dazu ein sehr guter erster Schritt sein!
Nutzen Sie selbst solche eine gemeinsam angepasste Vereinbarung für die Einführung eines Smartphones bei Ihrem Nachwuchs. Sie haben dabei einen Anlass, wichtige technische und soziale Grundsätze zu definieren. Zusätzliche haben Sie dauerhaft Gesprächsanlässe, um die Nutzung zu reflektieren und eventuell die Vereinbarungen anzupassen.

Machen Sie sich als Eltern ihre Gedanken und holen Sie ihr Kind ins Boot. Fragen Sie auch gerne nach den Erwartungen, die ihr Kind an Sie haben könnte. Wünscht sich Ihr Kind von Ihnen vielleicht wöchentlich „10-Minuten-Vorurteilsfreie-Zeige-Zeit“ um ihnen aktuelle Spiele, Apps, Plattformen oder was auch immer zu zeigen? Nehmen Sie den Deal an und bilden Sie Ihre eigenen Vereinbarungen ab. Entweder selbst schreiben oder zum Beispiel mit dem interaktiven Tool des Bundesministeriums für Familie.

Kommen Sie auch gerne mit Ihrem Nachwuchs zu unserem Eltern-Kind-Workshop „Mein erstes Smartphone – Das sollten Eltern und Kinder wissen“ mit dem präventiven Jugendschutz Frankfurt/M am 05.07.2014 von 13 bis 17 Uhr.

Das medienpädagogische Youtube-Battle

Zum Abschluss des Tages durften Florian Borns und ich dem Plenum ein paar Songs präsentieren, die jeweils einen medienpädagogischen Bezug haben und sich als einfacher Einstieg eigenen.
Das Publikum hat entschieden, der Sieger wurde Mo Trip mit „Guten Morgen NSA“.

Aber auch nur, weil Florians Liveperformance ausser Konkurrenz lief 🙂

Haben Sie Fragen, Anmerkungen oder Kommentare?! Gerne, wir freuen uns!
Gregory Grund, Team SicherDeinWeb

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