Rechtslagen online: Urheberrecht & Co in Schule und Jugendarbeit

Zwölf Dinge, die Pädagogen und Eltern in der Medienarbeit online beachten sollten

Internet_© Angela-Parszyk_pixelio.de_web

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Eltern, Lehrer, Erzieher und Sozialpädagogen stehen bei der alltäglichen Arbeit mit Jugendlichen und dem Internet immer wieder vor kniffeligen Rechtsfragen: Was ist legal im öffentlichen Raum? Ab wann wird das Urheberrecht verletzt? Wie viel kostet eine Urheberrechtsverletzung? Wie erkenne ich „Abofallen“? Ist YouTube gucken und downloaden legal?

Zur Fortbildung Rechtslagen online kamen am 28.09.2010 ca. 40 Multiplikatoren aus Schule und Jugendarbeit nach Neu-Isenburg. Eingeladen hatten der Jugendschutz Frankfurt, das Infoc@fe Neu-Isenburg und das Zentrum für gesellschaftliche Verantwortung. Der Übersicht wegen, fasse ich einige zentrale Thesen der Referenten Angelika Beranek (Infocafé Neu-Isenburg), Kirstin Koch (Frankfurter Jugendschutzbeauftragte) und des Medienanwalts Stephan Schmidt in zwölf zentralen Punkten zusammen.

1. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Diese einfache aber eindeutige Aussage stand am Anfang des Vortrags von Herrn Schmidt von Teclegal. Egal ob Urheber- oder Persönlichkeitsrechte oder das Recht auf ein eigenes Bild: Für das Internet gelten die gleichen Gesetze wie im „normalen“ Leben. Bereits ein Twitter-Text von zehn Zeichen kann urheberrechtlich geschützt sein, wenn er als Werk, z.B. als kurzer Werbeslogan, eingestuft wird.

Der Tipp: Quellen- und Urheberangaben müssen bei allen Veröffentlichungen, Zitaten, Vorträgen und Referaten gemacht werden.

2. Musik „saugen“ ist eine neue Form der Jugendkriminialität

Jugendschützerin Kirstin Koch wies bereits in ihrem Eingangsreferat auf die neue Qualität der jugendlichen Mediennutzung hin. 54 % der 12- 19-Jährigen besitzen Medien mit Internetzugang. Ihr Internetzugang steht also nicht mehr direkt unter der Kontrolle der Eltern (Quelle: JIM-Studie). Das Bewusstsein für Urheberrechtsverletzungen ist bei vielen Kindern und Jugendlichen gering ausgeprägt. „Musik saugen- das machen doch alle“ heißt es häufig. Frau Koch berichtete über die tausendfache Realität, dass Eltern über einen Anwalt abgemahnt werden, weil Ihre Kinder illegal Musik oder Filme heruntergeladen haben. Das kann man als neue Form der Jugendkriminalität bezeichnen stellt die Jugendschützerin fest.

Der Tipp: Die Abmahnung nicht direkt zahlen und einen Anwalt kontaktieren. Dieser kann die Schwere der Tat einschätzen.

3. YouTube gucken und downloaden ist ok, uploaden nicht!

Das Anschauen von YouTube-Videos ist nicht illegal. Auch das Herunterladen mit Hilfe eines Converters ist ok. Es sei denn es handelt sich um eindeutig erkennbares illegales Material wie den neuesten Kinofilm. Das tauschen von urheberrechtlich geschützter Musik oder Filmen über P2P- Netzwerke wie Limewire, Emule oder bearshare ist jedoch generell strafbar. Warum? Download und Upload laufen bei dieser Technik parallel. Ein „Sauger“ wird zugleich zum „Anbieter“. Das Anbieten („uploaden“) ist strafbar. Ab 14 Jahren gilt das Jugendstrafrecht.

Der Tipp: Eltern und Pädagogen sollten Filesharing-Netzwerke mit einer Kindersicherungssoftware sperren.

4. Private DVD-Filme im Klassenzimmer zeigen ist streng genommen verboten

Das gemeinsame DVD gucken im Klassenzimmer, einer Aula oder im Jugendhaus ist eine Aktion im öffentlichen Raum und deshalb laut Medienanwalt Stephan Schmidt verboten.

Der Tipp: Führen Sie eine Clubstruktur ein. Frau Angelika Beranek vom Infocafé berichtete, dass Sie in ihrer Jugendeinrichtung eine Clubstruktur eingeführt hat, um das Problem zu umgehen. Durch einen Club ist das DVD gucken keine öffentliche Veranstaltung mehr. Eltern müssen einfach zustimmen, dass Ihr Kind am Club teilnimmt und Kinder und Pädagogen können so wieder gemeinsam Filme schauen. So etwas nannte man früher Trick 17.

5. Die Website Kino.to ist illegal

Ein sehr beliebtes Onlineportal bei Jugendlichen ist kino.to! Hier sind die neuesten TV-Sendungen, Kinofilme mit einem Klick abrufbar. Zwar ist das Ansehen selbst nicht strafbar, die Webseite führt jedoch viele illegal hochgeladene Inhalte.

Der Tipp:Anwahlt Stepfan Schmidt empfiehlt jeder Schule und Jugendeinrichtung die Webseite www.kinox.to wie auch die P2P-Netzwerke mit Hilfe einer Kindersicherung zu sperren.

6. Kindersicherungssoftware schützt sie vor unerwünschten Inhalten

Fast alle Jugend- und Bildungseinrichtungen mit Internetanschluss verwenden eine Kindersicherungssoftware. Das ist auch gut so. Einige Webinhalte, insbesondere Sex- und Gewaltseiten, sollten für Kinder und Jugendlich nicht frei zugänglich sein.

Der Tipp: Der Anwalt Schmidt empfiehlt auch auf privaten Computern und Laptops eine Kindersicherungssoftware zu installieren.

7. Privatkopien von CDs und DVDs darf man verschenken

Ist das Brennen einer gekauften CD oder DVD, z.B. für einen Freund zum Geburtstag, strafbar? Nein. Laut Anwalt Schmidt dürfen für den privaten Gebrauch CDs und DVDs kopiert und verschenkt werden. Ein Verkauf oder Verleih ist natürlich verboten.

Der Tipp: Was mit den bekannter Brennsorftware wie „Nero“ oder „Itunes“ brennbar ist, darf für private Zwecke (Sicherungskopie) gebrannt werden.

8. Musik- und Bilddateien sind über Hashwerte jederzeit nachverfolgbar: Umbenennen bringt nichts.
Viele Leute glauben, dass illegal herunter geladene Medien nicht mehr durch Anwälte auffindbar sind, wenn man den Dateinamen ändert. Irrtum! Durch ihre Hashwerte sind Musik und Bilddateien jederzeit nachverfolgbar. Musiker, wie der bekannte Rapper Bushido, beauftragen Anwälte, die mit Hilfe von Programmen Musiktitel aufspüren und die illegalen Nutzer abmahnen. Die Hashwerte der Musiktitel sind unverwechselbar und insofern vergleichbar mit der DNA eines Menschen.

9. Eltern mit Kindern unter 18 müssen mit einem (Abo-) Vertrag einverstanden sein
Handy-Klingeltöne sind beliebt bei Kindern! Schnell können Kinder in kostenpflichtige Abofallen tappen, warnt der Anwalt Stephan Schmidt. Generell müssen Eltern einem Vertrag ihres minderjährigen Kindes zustimmen– ansonsten handelt es sich nicht um einen rechtswirksamen Vertrag.

Der Tipp: Zahlen sie nicht bei Abmahnungen und reden Sie mit Ihrem Kind über das Thema Geld und Abos im Internet. Im Zweifel sollten Kinder immer Ihre Eltern oder Pädagogen zu Rate ziehen.

10. Fotografieren einer (Jugend-) Gruppe ist auch ohne Elternerlaubnis ok

Wenn bei einem Schulfest oder einer Disko viele junge Menschen gleichzeitig fotografiert werden und die Fotos im Anschluss im Internet veröffentlicht werden sollen, ist dies auch ohne explizite Elternerlaubnis legal. Ausnahme ist, wenn eine Person auf dem Foto besonders hervorgehoben ist und ausdrücklich Widerspruch einlegt. Weitere Ausnahmen sind natürlich Kinder.

Der Tipp: Holen Sie sich als Pädagogen zu Beginn des (Schul-) Jahres eine Einverständniserklärung der Eltern, dass Sie fotografieren und veröffentlichen dürfen.

11. Fotografieren Einzelner bedarf einer Erlaubnis, das veröffentlichen sowieso

Generell ist bei Fotografien von einzelnen Personen deren Einwilligung erforderlich.

Der Tipp:
Kinder bis 7 Jahre: Einverständnis der Eltern nötig
Kinder 7- 14 Jahre: Einverständnis der Kinder und Eltern generell erforderlich
Kinder 14- 18 Jahre: Einverständnis der Kinder und Eltern ggf. erforderlich

12.Google Street View ist aus rechtlicher Sicht legal

Die Aufregung um Google Street View in diesem Sommer war groß. Die rechtliche Lage ist zwar noch nicht endgültig geklärt und der Service in Deutschland noch nicht aktiv, doch den großen Ankündigungen der Politiker sind noch keine rechtswirksamen Schritte gefolgt. Anwalt Schmidt vermutet, dass wird auch so bleiben. Denn: Alle Bilder, die Google Street View anbietet, sind Bilder aus dem öffentlichen Raum. Die Häuser sind von der Straße aus gemacht und öffentlich einsehbar. Insofern vertritt Herr Schmidt die Position, dass der Service legal ist.

Persönliches Fazit der Fortbildung

Das Thema „Rechtslagen online“ ist hochbrisant und aktuell. Gerade in der Medienarbeit mit Jugendlichen bestehen noch viele offene Fragen, was legal und was rechtlich bedenklich ist. Auch aus diesem Grund habe ich an dieser Fortbildung teilgenommen. Die Diskussionen im Workshop waren lebendig und alltagsnah.
Die Fortbildung hat mich darin bestärkt, mit dem Projekt und dem Blog „SicherDeinWeb“ zu starten.

Vielen Dank noch einmal an die Veranstalter und an Anwalt Stephan Schmidt für seinen Vortrag, den er verständlich und mit vielen Beispielen präsentiert hat.

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2 Kommentare zu Rechtslagen online: Urheberrecht & Co in Schule und Jugendarbeit

  1. Anke sagt:

    .“..Einige Webinhalte, insbesondere Sex- und Gewaltseiten, sollten für Kinder und Jugendlich frei zugänglich sein.“

    Hier liegt sicher ein Druckfehler vor.

  2. Hallo mlsally,
    Selbstverständlich sollte es in unserem Artikel heißen „einige Webinhalte, insbesondere Sex- und Gewaltseiten, sollten für Kinder und Jugendlich NICHT frei zugänglich sein.“ Das haben wir geändert! Vielen Dank für Ihren Hinweis!

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