Selbstbestimmte Mediennutzung – Arbeiten und Leben mit PC und Smartphone

Für die ZDF-Sendung WISOplus (Erstauststrahlung am 17. 04. 2012 auf ZDFinfo / Link zur Mediathek) ergab sich ein kleines Interview zum Thema selbstbestimmte Mediennutzung. Wie beim letzten Kurzinterview zu Apple stelle ich hier gerne meine Grundgedanken schriftlich dar. Die Fragen haben ich für die Lesbarkeit sinngemäß selbst gesetzt.

©ZDF / WISOplus

FRAGE: Das Internet ermöglicht uns über PC und Smartphones vielfältige Informations- und Kommunikationskanäle. Diese können sehr bereichernd sein, werden aber auch Ablenkung empfunden. Im Büro klagen viele Kollegen, dass ihre gefühlte Produktivität sinkt und sie sich schlecht auf eine größere Aufgabe einlassen können. Haben Sie Tipps für den Arbeitsalltag am PC?

ANTWORT: Priorisieren Sie Ihre Aufgaben und überlegen Sie: Brauche ich dazu Ruhe? Was lenkt mich am PC eigentlich ab?  Nutzen Sie Programme zum Nachverfolgen der eigenen Aktivitäten auf dem PC, die dann z.B. angeben, wie viel Zeit „nebenbei“ auf Facebook verbracht wird. Das hilft eigene Muster zu erkennen und ist die Basis, um eigenverantwortlich sein Kommunikationsverhalten zu gestalten.
Tools dazu gibt es in verschiedenen Varianten, eine Übersicht gibt es z.B. hier.
Eine Folge können Zeiten sein, in denen man bewusst nicht über Mail und Telefon erreichbar ist. Sprechen Sie das mit den Kollegen und mit dem Betrieb ab, um die Akzeptanz zu erhöhen.

FRAGE: Gut, wenn ich nun im ersten Schritt reflektiere, wie ich meine PC-Alltag gestalte und wohin ich gerne abschweife: Was hilft mir das? Die Fülle an Informationen, die tagtäglich auf uns einprasselt, mindert sich dadurch doch nicht, oder?

ANTWORT: Das Drohbild der „Informationsüberflutung“ wird schon lange mit dem Aufkommen neuer Medientypen bemüht und zeigt uns deutlich:
Es ist entscheidend, wie wir unsere Informations- und Kommunikations-Ströme inhaltlich und zeitlich filtern, kurz: wie wir das Wichtige vom Unwichtigen trennen.
Konkret bedeutet dass: Vermeiden Sie ständige Orientierungsbewegungen, in dem Sie zum Beispiel zwei fixe Emailsprechzeiten am Tage einrichten, zb. zu Beginn des Tages und nach dem Mittagessen. Vermeiden Sie wo es geht akkustische und visuelle Benachrichtigungen, die Sie aus Ihrer aktuellen Tätigkeit rausholen. Schließen Sie am besten auch alle Programme und Browsertabs, die Sie für Ihre Tätigkeit nicht brauchen.
Und nutzen Sie Pausen auch als Pausen.
Das ständige Suchen und Folgen von neuesten Informationen erschwert es uns konzentriert an einer Sache zu bleiben. Arbeitstechniken wie das Pomodoro-Konzept helfen uns, Aufgaben zu strukturieren.

© http://www.pomodorotechnique.com/

FRAGE: Während der Arbeit wird privat gesurft, nach Feierabend laufen weiterhin dienstliche E-Mails und Anrufe ein. Wie kann ich Arbeit und Privatleben auch technisch trennen?

ANTWORT: Die klare Trennung von Dienst und Privat fällt in vielen Bereichen zunehmend schwer. Am einfachsten fällt es die Trennung zu gestalten, wenn die Kommunikationskanäle nicht vermischt sind, also zwei unterschiedliche Geräte und Mailadressen benutzt werden.
Viele Smartphones ermöglichen auch eine Kontaktverwaltung, die bei der Differenzierung hilft. Sie können einzelne Kontakte in Gruppen sortieren und diesen Gruppen individuelle Möglichkeiten zuweisen: Freunde dürfen Sie immer erreichen, berufliche Kontakte werden nach 20 Uhr direkt an die Mailbox weitergeleitet. Android Smartphones scheinen im Gruppenmanagement flexibler, für das iPhone gibt es im Moment nur Lösungen über Umwege oder eine zweite Sim-Karte.
Selbstdisziplin ist von Nöten und fällt dann besonders leicht, wenn es klare Absprachen im Betrieb gibt.

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