Vernetztes Lernen braucht Change Management an Schulen und Unternehmen

Vernetztes Lernen findet z.B. in Barcamps statt. Das geht auch in der Schule und in Unternehmen!

Vernetztes Lernen findet z.B. in Barcamps statt. Das geht auch in der Schule und in Unternehmen!

Freie Bildungsressourcen (Open Educational Ressources – #OER) und vernetztes Lernen gewinnen als Themen an Schulen und in (Nonprofit-) Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Edublogger und Lehrer Herr Larbig hat einen sehr lesenswerten Blogbeitrag zum Stand der OER-Debatte in Deutschland  veröffentlicht.

Doch Vorsicht! Es droht das Einzelkämpfertum. Einzelne engagieren sich für #OER, der Rest schaut zu und macht weiter wie bisher. Erst wenn die Verantwortlichen einen echten „Change Management“ Prozess anstoßen und mit vielen vor Ort darüber diskutieren, wie dieser gestaltet werden soll, werden sich #OER und vernetzten Lernen dauerhaft und erfolgreich etablieren.

Debatte um freie Bildungsressourcen erweitern!

Herr Larbig ist ein engagierter Lehrer und Blogger. Mit seinem Blogbeitrag zum Thema „Open Educational Ressources – OER: Geschichte und Einordnung der deutschen Debatte seit Herbst 2011“ möchte er die Debatte um freie Bildungsressourcen erweitern.  Ich fasse seine zentralen Gedanken zur Erweiterung der Diskussion zusammen:

Gedanke 1: „Wir sollten daran denken, „neue Lernszenarien zu entwickeln“ und in der OER – Debatte das vernetzte Lernen stärker betonen.
Gedanke 2: Mehr Lernerzentrierung, weniger Lehrerzentrierung: Fragt die Lerner, welche Ziele sie haben (Lernmotivation)!
Gedanke 3: Lernende sollten mehr zu Gestaltern ihres Lernens werden und selbst Materialien erstellen.

So richtig und wichtig die Gedanken von Blogger Larbig sind. Das Problem ist: Kaum einer wird ihm hier widersprechen: Vernetzt lernen, Lernerzentrierung , Materialien selbst gestalten – ja, hört sich gut an! Es ist auch gut, wenn einzelne Lehrkräfte oder Leiter der Weiterbildung im Unternehmen sich engagieren und die Themen vorantreiben. Gut, dass sich Lehrende und Lerner im September 2013 beim OER Camp in Köln oder Berlin, beim Corporate Learning Camp in Frankfurt oder dem Educamp im November in Berlin vernetzen und austauschen. Doch die Gefahr besteht darin, dass man das alleine anpackt und in der eigenen Organisation, in der man selbst tätig ist, ist nach 1-2 Jahre die Luft raus, weil sich nichts bewegt und weil man nur mit anderen außerhalb der eigenen Organisation gesprochen hat.

Change Management: Holt die Chefs und die Schulleitung mit ins Boot

Freie Bildungsressourcen sind nicht nur kostenfrei und bieten mehr Möglichkeiten des Weiterverarbeitens, Remixens und Teilens. Hier gibt es noch viel Weiterbildungsbedarf, den Herr Larbig auch zurecht feststellt: „Dieser dritte Punkt der UNESCO-Forderungen, die Implementierung von OER in die Lehrerausbildung und von dieser ausgehend dann auch in den Unterricht, ist der bislang problematischste Punkt, denn de facto ist die Kompetenz im Umgang mit unterschiedlichen Lizenzmodellen im Bereich der Schulen noch deutlich auszubauen.“

Da stimme ich voll zu. Und allein hierfür braucht es schon Überzeugungsarbeit von Einzelnen. Doch ich möchte noch einen Schritt weiter gehen, denn mit Argumenten und Überzeugungsarbeit allein reicht nicht aus. Es braucht praktische Erfahrung und Handlungsorientierung vor Ort. Ohne Personal- und Zeitressourcen und die Rückendeckung deines Chefs / deiner Chefin oder der Schulleitung geht mittelfristig  nichts. Auf Widerstand und eine Debatte stößt man doch immer erst, wenn es konkret um Geld, Personalressourcen und Zeiteinteilung geht! 

Mein Eindruck ist: Lange ist die Diskussion von Einzelkämpfern an Schulen und Unternehmen geführt worden. Die Einzelkämpfer haben sich vernetzt, sammeln  Argumente und leisten Überzeugungsarbeit. Wir Lernende und Lehrende sollten uns konkret die Frage stellen, warum und wie wir #OER in unserer Schule oder im Unternehmen einsetzen und selbst produzieren sollten. 

Fragen für Change Management in Schulen und Unternehmen:

– Kennt mein (e) Schulleiter/in oder mein (e) Chef/in eines (Nonprofit-) Unternehmens den Sinn und die Produktivität von #Open Educational Ressources?

– Haben diese Entscheider/Innen schon einmal an einer Fortbildung zu Open Educational Ressources teilgenommen?

– Sind die Verantwortlichen konkret bereit, Zeit und Geld aus ihrem Personal- und Schulbudget zur Verfügung zu stellen, um vernetztes Lernen in verschiedenen Szenarien zu erproben?

Wenn die Antwort dreimal „Nein“ ist, dann gilt es, den Prozess vor Ort in Gang zu setzen. Am besten im Team, denn allein macht es nicht so viel Spaß und es wird auch dauerhaft nicht zum Erfolg führen.

Change Management in Weiterbildung, Schulen und Unternehmen anregen

Auf dem Blog von Herrn Larbig habe ich bereits erste persönliche Ziele für den Herbst 2013 in einem Kommentar formuliert:

1. In Zusammenarbeit mit dem Landesschulamt in Frankfurt und im Rahmen der Ausbildung zum Jugendmedienschutzverantwortlichen an hessischen Schulen ab Herbst 2013 werde ich mich für die Bedeutung von #OER und die Entwicklung persönlicher Lernumgebungen (PLE) und persönlicher Lernnetzwerke (PLN) auch in Bezug auf die Themen des Jugendmedienschutz (mir gefällt ja dieser Begriff überhaupt nicht) einsetzen.

2. In dem schulischen Mentorenprogramm Digitale Helden http://www.digitale-helden.de , das ich mit entwickle und aufbaue arbeiten wir ja genau so ein Partnernetzwerk in Frankfurter Schulen aus. Auch wenn der Schwerpunkt bei Prävention von Cybermobbing und Datenschutz liegt, möchten wir über die Art und Weise, wie wir bei den Digitalen Helden miteinander lernen, mittelfristig einen “Change Prozess” in den Schulen anregen. Offenheit, Vernetzung sind hier zentral. Wir vernetzen SchülerInnen, aber vor allem auch Lehrkräfte und Pädagogen untereinander (PLN – personal learning environment) über eine digitale Lernplattform! Wir werden auch in den nächsten Wochen die Ausbildungsmaterialien für Schülerinnen und Lehrkräfte teilweise als #OER anbieten.

3. Ich freue mich auf den zweiten Frankfurter Bildungsäppler, um nächste Schritte persönlich mit dir und anderen zu besprechen. Hier geht es zur Doodle-Umfrage. http://doodle.com/nvacybux57yaq4z4 . Ich freue mich, wenn noch weitere Personen dazu kommen. Auch beim #OER-Camp in Köln im September haben wir hoffentlich Gelegenheit zum Austausch. Immer vorwärts – Florian. “

Neben diesen drei Ideen, die ich bei Herrn Larbig gepostet haben, möchte ich noch zwei Gedanken hinzufügen.

4. In Gesprächen mit Verantwortlichen in (Nonprofit-) Unternehmen werde ich die Frage nach Vernetzem Lernen, innovativen Ansätzen zur Mitarbeiter-Weiterbildung im Unternehmen und der Produktivität von Open Educational Ressources stellen und nach den Hemmnissen und Vorbehalten für mehr Offenheit und Vernetzung fragen.

5. Und um es noch einmal ganz deutlich zu sagen. Auch wenn ich ein großer Freund von buttom-up Bewegungen bin (eine solche ist ja die OER-Bewegung in Deutschland derzeit), so zeigt mir die berufliche Erfahrung, dass einige Prozesse auch top-down eingeleitet werden müssen. Ohne die Chefs, Schulleitungen und LeiterInnen der Weiterbildungsabteilung geht es eben nicht!

  • Ich freue mich auf den weiteren Erfahrungsaustausch wie „Change Management“ an Schulen und in Unternehmen gelingen kann.

Text: Florian Borns, SicherDeinWeb


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3 Kommentare zu Vernetztes Lernen braucht Change Management an Schulen und Unternehmen

  1. herrlarbig sagt:

    Ich bin verwirrt. In den Bereich der Bewusstseinsbildung für OER (Advocacy) und der Mitgestaltung politischer Prozesse (Policy Development), die ich in meinem Blogartikel ausführlich thematisiere, geht es genau um das, was du hier als fehlend darstellst. Bei Bewusstseinbildung geht es natürlich auch um das, was du unter die „Fragen für Change Management in Schulen und Unternehmen“ einordnest.
    Und die von dir mit angedachten Projekten für den Herbst gehen ja auch in die Richtung. Aber entweder habe ich deinen Artikel nicht richtig verstanden oder du hast in meinem diese Teile übersehen, von denen ich eigentlich ausging, dass sie sehr deutlich geworden sind, weil es ja gerade der Schritt vom wichtigen „Wir machen OER“-Einzelkämpfertum hin zu Fragen des Systems und der dieses tragenden Kräfte und Prozesse ist, der in dem Beitrag in meinen Augen dargestellt wird. Die Wende vom Bottom-Up zum ergänzenden Top-Down ist in meinen Augen genau die Aussage meiner Darstellung im von dir zitierten Blogartikel. Entsprechend stimme ich natürlich mit deinen Aussagen überein, freue ich mich über dein Engagement, bin aber irritiert von der sehr eingeschränkten Wiedergabe meiner Gedanken in meinem Blogartikel.
    Zur Verdeutlichung ein paar Zitate aus meinem Beitrag:

    Vor diesem Hintergrund der hochgradig bildungspolitischen Bedeutung, die die UNESCO OER zuspricht, können dann auch Teile der deutschen Debatte eingeordnet werden.

    Bewusstseinsbildung für OER (Advocacy): Seit Herbst 2011 gibt es in Reaktion auf die „Schultrojaner“-Debatte in Deutschland verstärkte Kampagnetätigkeiten für OER. Es wurden OER-Events organisiert, die regional und mittlerweile auch national orientiert sind. Das Bewusstsein für die internationale Bedeutung des Themas ist in der nationalen Debatte weniger präsent. Es werden Publikationen zum Thema erstellt und Forschung (auch von staatlicher Seite) gefördert. – Punkt 1 der OER-Initiative der UNESCO von 2012 ist im deutschen politischen Kontext angekommen.
    Mitgestaltung politischer Prozesse (Policy Development): Wenn Anhörungen im BMBF und im Kultusministerium eines Bundeslandes stattfinden, hat das Thema OER politisches Gehör gefunden. Nun arbeiten die unterschiedlichen Lobbygruppen (von Wikimedia bis hin zum Verband Bildungsmedien) an der Beeinflussung der politischen Entscheidungsfindungsprozesse. Vor diesem Hintergrund sind auch die 7 Thesen des Verbandes Bildungsmedien zu sehen, die natürlich genau so interessengeleitet formuliert wurden, wie es Äußerungen im Umfeld von OER-Befürwortern sind. Diese Auseinandersetzung von Interessengruppen ist ein deutliches Indiz dafür, dass OER in der politischen Realität Deutschlands mittlerweile eine wahrnehmbare Rolle spielen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass zwei völlig unterschiedliche Veranstalter im September 2013 an dem Thema arbeiten: Wikimedia Deutschland als NGO und die Stadt Köln als Schulträger, was zeigt, dass OER durchaus in der Lage sind, Verantwortliche der Schuladministration (in der immerhin viertgrößten Stadt Deutschlands mit einer entsprechend großen Bildungslandschaft) zu überzeugen, in diese Richtung aktiv zu werden.

    Sicherlich bedarf es zur Implementierung von OER in die deutsche Bildungslandschaft politischer Entscheidungen, die durchaus auch die Frage der Finanzierung betreffen.

    Vor diesem Hintergrund fühle ich mich in deiner Schlussfolgerung aus meinem Beitrag, dass mit dem, was ich dort darstelle, die Gefahr des Einzelkämpfertums verbunden sei (Zitat: „Doch Vorsicht! Es droht das Einzelkämpfertum. Einzelne engagieren sich für #OER, der Rest schaut zu und macht weiter wie bisher.“) falsch verstanden. Gerade dieser durchaus realen Gefahr soll der Artikel ja entgegen arbeiten!

    Oder: „Es ist auch gut, wenn einzelne Lehrkräfte oder Leiter der Weiterbildung im Unternehmen sich engagieren und die Themen vorantreiben.“ – Sorry, aber genau der Beschränkung auf diese Seite widerspreche ich in meine Artikel.

    Seltsamerweise gehst du dann auf die Eben der Einzelschule. Natürlich ist in diesem Kontext Arbeit am Thema nötig und ich habe im Bereich der Implementierung digitaler Technologien in die Organisation einer Schule durchaus Erfahrungen mit genau den Bereichen die du ansprichst. Und ja, die Implementierung funktioniert in etwa so, wie du es darstellst – zumindest in den Kontexten von Schulentwicklung und Personalentwicklung, die ich kenne.

    Aber es die von mir als bereits laufend dargestellte Top-Down-Bewegung, die aus der Bottom-Up-Initiative entstanden ist, läuft im Grunde ja genau auf die von gewünschten Veränderungsprozesse hinaus. Der Bereich des mittleren Schulverwaltungsbereichs liegt zwischen den Kollegen vor Ort und denen in den Ministerien und bekommt mehr und mehr von beiden Seiten (je nach Bundesland) Impulse. Siehe Köln: Da sind die zuständigen Ämter an Bord. Wesentlich war dafür das Engagement von Einzelkämpfern, die nicht etwas anders ticken, als es in deinem Artikel anklingt.

    Damit wir und nicht falsch verstehen: Ich stimme den von dir entwickelten Gedanken zur Initiierung von Veränderungsprozessen durchaus zu – auch wenn ich die Rolle von Impulse gebenden Einzelpersonen (der Begriff des „Einzelkämpfers“ ist an der Stelle nicht ideal) anders einschätze, als du das hier tust, wenn diese Einzelperson sich zu vernetzen weiß. Der Darstellung dessen, was ich in meinem Artikel geschrieben haben soll, kann ich so aber nicht zustimmen und hoffe, durch diese Kommentar deinen Beitrag in dieser Hinsicht angereichert zu haben.

  2. Hallo Thorsten,
    vielen Dank für deine schnelle Antwort und deinen Kommentar.
    Du fühlst dich falsch verstanden? Danke für die Richtigstellung! Tatsächlich liegen ja unsere Ansichten und Ansätze nahe beisammen, wie du zu Recht betonst:-)

    #OER sind ein Thema für die Schul- und Unternehmensentwicklung! Das hast du jetzt im Kommentar noch einmal deutlich gezeigt. Danke! Deine konkreten Erfahrungen hierzu interessieren mich.

    Wenn ich dich verkürzt wiedergegeben habe, tut es mir leid. Ich möchte eines eben besonders hervorheben: Die Schwierigkeiten der Umsetzung auf der lokalen Ebene und das Change Management vor Ort!!!

    Du hast den internationalen und nationalen Zusammenhang aufgezeigt und mir ist eben die lokale Umsetzung wichtig! Der Blogbeitrag ist also eher als Erweiterung und Ergänzung deines Blogbeitrags, denn als Widerspruch zu sehen.
    Mein Beitrag soll den Fokus vom „Ich“ auf das „Wir“ lenken. Und zwar nicht „Wir Blogger“ oder „Wir in der OER-Debatte“, sondern „wir“ in einer Schule oder einem Unternehmen, wo vielleicht nur 2 Personen aktiv bloggen, twittern und sich digital vernetzen, während 80 andere das nicht tun. Erst wenn wir dieses „Change Management“ konsequent angehen, dann kommt #OER und vernetztes Lernen in der Breite der Bildungslandschaft an!

    Ich sehe, wir haben nach viel Bewusstseinsbildung vor uns:-)

  3. Hallo Thorsten,
    danke für dein Feedback! Hier noch eine Ergänzung.
    Du sagst in deinem Artikel: „Es werden Publikationen zum Thema erstellt und Forschung (auch von staatlicher Seite) gefördert. – Punkt 1 der OER-Initiative der UNESCO von 2012 ist im deutschen politischen Kontext angekommen.“ Stimmt soweit und das ist gut so.

    Doch im schulischen und unternehmerischen Kontext vor Ort ist OER noch lange nicht angekommen! Insofern möchte ich da keinen Haken dran setzen. Punkt 1 der OER ist nicht fertig und abgehakt. Hier braucht es weitere „Advocacy“ und Engagement von einzelnen Personen, wie du in deinem Kommentar ja auch richtigerweise sagst. Der Begriff „Einzelkämpfertum“ ist insofern unglücklich und etwas reißerisch formuliert und wird dem wichtigen Engagement der Kolleginnen und Kollegen vor Ort nicht gerecht. Der Beitrag von mir ist als Kritik von KollegInnen in Köln, Frankfurt oder Berlin gedacht. Vielmehr ist er nach abermaligen Lesen auch als „Selbstermahnung“ zu verstehen: Lasst uns die Kolleginnen und Kollegen mitnehmen und mit Ihnen zusammen das Thema vorantreiben.
    Beste Grüße Florian.

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