Seminarbesuch: Facebook in der Sozialen Arbeit

Foto: Andreas Rickert-Lützen

Am 13.12.12 habe ich als einer von drei Praxisexperten das Seminar «Facebook: „Soziale Medien“ für Soziale Arbeit» am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda unter der Leitung von Christine Nowak und Andreas Rickert-Lützen mit ca 20 Studierenden besucht.
Dabei kam es zu einem spannenden Austausch über Facebook als Werkzeug, aber auch als Vermittlungsgegenstand der Sozialen Arbeit.

 

Facebook als grauer Kanal in der Sozialen Arbeit

Professionelle Facebooknutzung findet oft noch ohne Unterstützung der Kommunen statt. Eine offizielle Erlaubnis, als Person oder Einrichtung auf Facebook professionell zu agieren oder gar Leitlinien für einen gewünschten Umgang, gibt es sehr selten.
Vieles, was heute in der Praxis passiert, basiert auf Eigeninitiative.
Ullich Steybe berichtet aus seiner Funktion als ehemaliger Leiter eines Jugenzentrums: „Ohne Facebook erreiche ich meine Jugendlichen nicht mehr“. Daher ist die Internetpräsenz seiner Einrichtung auch umgezogen und residiert bei Facebook. Im Gegensatz zu Homepage und Flyern sei die Reichweite deutlich größer. Noch, denn Facebook hat bereits begonnen, sich eine volle Reichweite bezahlen zu lassen. Hier ist ein Spannungsfeld klar absehbar: Werden Einrichtungen und somit Kommunen einen kommerziellen Anbieter für diese Dienste bezahlen?
Weitere Änderungen könnten aufgrund des Renditedrucks Facebooks folgen. Jeder, der dort agiert oder es plant, sollte sich also mit den aktuellen Spielregeln vertraut machen und sich fragen: „Ist Facebook ein richtiger Kanal für mich und meine Einrichtung?“

Facebook als sozialer Raum

Madita Lammers führt mit ihrem Praxisbericht u.a. auf das sich wandelnde Nähe-Distanz-Verhältnis durch soziale Netze wie Facebook. Sie arbeitet in Fulda für die Fortbildungsakademie der Wirtschaft und unterstützt Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahren bei der Berufs- und Ausbildungssuche.
Dabei nutzt sie Facebook als Kommunikationsmittel aus pragmatischen Gründen: „Handygesspräche kosten, da ist mal die Karte bei den Jugendlichen leer, aber Internet und Facebook nutzen alle“.
Daher ist Ihre Einrichtung auf Facebook vertreten und aktiv mit den Jugendlichen befreundet, die dann z.B. auch Krankmeldungen über diesen Kanal kommunizieren.
So kam die Idee, zunächst von „interessanten“ Postings und Bilder der Jugendlichen einen Screenshot zu machen. Diese nutzte sie, um in Einzelgesprächen eine Sensibilisierung für die Selbstdarstellung durch einen Perspektivenwechsel zu erreichen.
Sie selbst hat für ihren Job ein zweites, rein professionelles Profil eingerichtet. Eine Strategie, die alle 3 anwesenden Praxisexperten nutzen. Auch mit einem professionellen Profil ist die große Dynamik im Nähe-Distanz-Verhältnis deutlich spürbar.
Was von dem, was man aus der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen erfährt, darf / soll / muss man thematisieren? In welchen Situationen greift man ein, entweder auf der Plattform selbst oder durch direkte Gespräche? Diese Fragen stellen sich auch viele Lehrer, auch hierfür gibt es fast keine Leitlinien zum professionellen Umgang. Diese müssen wir entwickeln!
Ullich Steybe machte hierbei deutlich, wie sensibel der Umgang mit Freundschaftsanfragen erfolgen sollte: „Eine nicht angenommene Freundschaftsanfrage ist eine Kränkung“. Das heisst, eine Ablehnung sollte erklärt werden und Freundschaftsanfragen sollten einheitlich behandelt werden. Wer ohne erkennbare Gründe nur ein paar Anfragen annimmt und andere ignoriert, kann für nicht zu unterschätzenden Verstimmungen führen.

Einig waren sich alle drei Experten, dass ein nur gefahrenorientierter Zugang zu dem Thema die Jugendlichen kaum erreicht und zu dem sehr viel Potential bei der Ermöglichung von Medienkompetenz vergeudet. Praktisch heisst das, den Jugendlichen auch Gestaltungsmöglichkeiten klar zu machen.
Im Kontext der Berufsorientierung ist es also wichtig, nicht nur seine Privatsphäreeinstellungen handhaben zu können. Fast wichtiger scheint mir, dass Jugendliche Ihre Talente und Interesse (z.B. auf einem eigenen Blog) darstellen, Informationen über Ihre Wunscharbeitgeber einholen können und es vielleicht sogar schaffen, online bereits einen Beziehungsaufbau zu dem Unternehmen zu realisieren.

Was verstehen Jugendliche im Umgang mit Facebook nicht sofort?

Diese Frage kam im Laufe der Diskussion auf, diese drei Punkte sind mir aus unseren Workshops besonders aufgefallen:
A) Die Zukunftsrelevanz ihres Tuns.
B) Dass sie eine Geschäftsbeziehung mit Daten als Zahlungsmittel eingehen und was es mit personalisierter Werbung auf sich hat.
C) Die Verantwortung für Freunde und andere, die Sie tragen.

Peer-Impulse geben

Ebenso kreisten die Fragen um die richtige Ansprache und die Ort, an denen Kinder Medienbildung erwerben können. Dabei wurde die Bedeutung von Gleichaltrigen und Freunden deutlich, die für viele Jugendlichen die kompetentesten Ansprechpartner sind. Facebook als Thema der Sozialen Arbeit muss also in die Freundeskreise hinein getragen werden. Über Impulse wie die Foto-Ampel können Jugendliche für ihre Freunde ein Zeichen zum respektvollen Umgang mit Fotos setzen. Ebenso eignen sich Videos wie „Life on Facebook“ oder Songs wie „Gefällt mir“ als Einstieg, der bestenfalls von den Jugendlichen in ihre Kreise geteilt wird.
Übrigens, im Februar 2013 starten wir mit Partnern in Frankfurt ein Peer-Projekt für Schulen. Näheres dazu geben wir in den kommenden Wochen auf unseren Blog bekannt!

Weitere Informationen zum Seminar finden Sie auf dem Blog von Christine Nowak.
Ich bedanke mich für die spannende Sitzung und freue mich, wenn jemand weitere Songs postet, die sich als Einstieg zum Thema eignen.

Gregory Grund, Team SicherDeinWeb

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2 Kommentare zu Seminarbesuch: Facebook in der Sozialen Arbeit

  1. Daniel Seitz sagt:

    Danke für den Überblick, würde ich alles so unterschreiben!

    Noch ein Werk eines Jugendlichen zum Thema:
    http://www.youtube.com/watch?v=wjlbfAK4L5Q

  2. Pingback: Facebook in der sozial-/pädagogischen Praxis | Soziale Medienbildung

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